Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

Seit ca. 8 Jahren spielte ich mit dem Gedanken den Jakobsweg zu gehen. Wie bei vielen anderen Deutschen auch, war für mich das Buch „Ich bin dann mal weg“ von Harpe Kerkeling der initiale Auslöser diesen Weg gehen zu wollen.

Mitte 2018 war es dann endlich soweit und ich flog nach Frankreich, um von Saint-Jean-Pied-De-Port meinen 800 KM Jakobsweg zu starten. Da ich aufgrund meiner Arbeit die meiste Zeit des Tages vor einem Bildschirm verbringe, habe ich darauf verzichtet meinen Computer oder mein Handy mit auf diese Reise zu nehmen. Ich wollte einen Monat komplett offline sein, was mir auch bis auf wenige Ausnahmen (1x pro Woche E-Mails checken) gelang.

Ich nahm lediglich eine Digitalkamera mit, denn ich hatte vor meinen Jakobsweg in einem Video zu dokumentieren, welches ich dann anschließend bei im deutschen YouTube hochladen und auf Position 1 ranken wollte (für den Suchbegriff „Jakobsweg“). Ganze 3 Wochen nach dem Upload des Videos war ich dann auch auf Position 1 für den besagten Begriff und bin es auch noch immer (zumindest Mitte Dezember 2018).

Die Bilder unten zeigen meine Ankunft in Saint-Jean-Pied-De-Port, am Tag bevor ich mich auf den eigentlichen Jakobsweg begab. Auf Bild 4 sind meine Pilgerfreunde zu sehen, die ich auf der Anreise kennen lernte und mit denen ich auf dem Camino viel Zeit verbracht habe.

Die Überquerung der Pyrenäen

Direkt am Morgen des ersten Tages ging es steil bergauf. Einer der schwierigsten Abschnitte auf dem Camino Frances (so nennt sich dieser Jakobsweg – es gibt mehrere in ganz Europa), sollte mich am ersten Tag an die Grenzen meiner physischen Kräfte bringen. Das Wetter war perfekt, ich traf meine Pilgerfreunde vom Vortag und viele weitere interessante Menschen aus unterschiedlichsten Ländern und hatte einen ereignisreichen ersten Pilgertag (Bilder 1-9).

Die Restlichen Bilder zeigen Impressionen aus den Folgetagen, auf dem Weg nach Pamplona, jener spanischen Stadt, die für ihre Stierkämpfe bekannt ist.

In guter Gesellschaft, vergeht die Zeit wie im Flug

Wenn man den ganzen Tag am Wandern ist und immer neue Menschen trifft, vergeht die Zeit rasend schnell. Sobald sich der Körper an die Anstrengung gewöhnt hat und man den eigenen Rhythmus gefunden hat, ist das ständige Laufen auch gar nicht mehr so anstrengend. So versuchte ich mich nach ungefähr einer Woche immer mehr zu pushen und lief an meinen besten Tagen zwischen 40 und 45 KM. Gelegentlich besichtigten wir auch einige Kirchen und Kathedralen. Mittags und abends wurde traditionell Wein und Bier getrunken. Das hob die Stimmung beim Wandern und wog einen abends sanfter in den Schlaf.

Das Ende kommt oft schneller als man denkt

Während in den ersten beiden Wochen noch der Gedanke dominierte: „Hoffentlich schaffe ich es bis nach Santiago“, war es ab der zweiten Hälfte eher „Unglaublich wie schnell die Zeit vergeht - bald ist schon wieder alles vorbei - irgendwie schade“.

Umso weiter wir Richtung Santiago kamen, umso mehr Schilder mit Kilometerangaben kreuzten unseren Weg. Immer wenn man ein solches Schild sah auf dem stand: „Noch X Kilometer bis nach Santiago“ waren wir regelmäßig über die bereits zurückgelegte Distanz erstaunt. Sind wir tatsächlich 700 Kilometer in den letzten Wochen gelaufen!? Zu Fuß?! Unglaublich aber wahr. Jetzt sind es nur noch 100 Kilometer die wir vor uns haben. Ganz easy!

Von Santiago bis ans Ende der Welt

Als wir nach 28 Tagen in Santiago angekommen sind, wollte wir uns unsere Pilgerurkunden abholen, was aber aufgrund des großen Andrangs im Pilger Office auf den nächsten Tag verschoben wurde. Wir fuhren noch am gleichen Tag mit dem Bus nach Finistère, von dem man früher glaubte, es sei das Ende der Welt. Dort feierten wir unseren erfolgreich absolvierten Camino mit viel Wein am Strand. Am nächsten Tag ging es zurück nach Santiago, wo wir dann unsere Pilgerurkunden nach 2 Stunden Wartezeit entgegennehmen konnten.

Den Jakobsweg zu laufen war für mich eine der wichtigsten Erfahrungen meines bisherigen Lebens und ich bin sehr froh mir diese 4-wöchige Auszeit genommen zu haben. Es lebt sich übrigens sehr gut ohne Handy und ohne Internet und ich hatte keinerlei Entzugserscheinungen. Allerdings war ich nach 4 Wochen wandern auch wieder super froh meiner Arbeit vor dem Computer und meinen gewohnten Routinen nachgehen zu können.